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2007-01-19

stockend

Da hab ich ihn nun, den Stock, den zu schlucken mir schwer fällt.
Bekommen von Renaldo: Fünf Dinge, die er nicht von mir weiß. Oder die man nicht von mir weiß? - Ja, was denn nun? Das ist schließlich ein entscheidender Unterschied, denn er weiß schon 'ne Menge Dinge, die andere nicht wissen. - Na gut, ich will keine Atome spalten und auch nicht kneifen:

1.)
Ich bin benannt nach einen Pferd. Ernstlich, ja. Ich habe außer Stefanie noch die Vornamen Carolin und Lieselotte. Carolin fand mein Vater hübsch, meine Mutter war für Stefanie. Weil sie sich nicht einigen konnten, fragten sie meine 6jährige Schwester (sic!) nach ihrer Meinung. Die hatte gerade einen Narren gefressen an einem Gaul im Dorf mit Namen Lieselotte. Ganz toll! In der Grundschule war dieser Name mein bestgehütetes Geheimnis. (Als ich es dann doch meiner besten Freundin anvertraute, lernte ich auch meine erste Lektion in Sachen Verrat, aber das ist eine andere Geschichte...)

2. a)
Ich habe eine absurde Schwäche für Macho-Getue, überhaupt für arrogante Männer. Vermutlich hängt das eng mit Punkt 2. b) zusammen.
2. b)
Provokationen sind für mich ein Schlüsselreiz. Auf sie nicht einzugehen, kostet mich enorme Kraft. Es ist ein wenig, als leide ich unter dem Zwang, jeden Federhandschuh, der irgendwo hingeworfen wird, aufzuheben. (Manche Menschen irritiert das zuweilen, wenn ich plötzlich auf sie los gehe, obwohl sie nur ein Taschentuch verloren haben.)

3.)
Die meisten Menschen, mit denen ich täglich umgehe, haben keine Ahnung davon, dass ich durch meine ehrenamtliche Tätigkeit und meine eigene Biographie einen sehr starken Bezug habe zu Depression, Suizid, Autoaggression, sexueller Gewalt, Missbrauch, Alkoholismus und ähnlichen Abgründen.

4.)
In meinem Kopf schwirrt ein Roman umher schon seit vielenvielenvielen Jahren. Ich weiß nicht, ob ich ihn je niederschreiben werde. Einmal habe ich begonnen und hatte den perfekten ersten Abschnitt. Naja, die Festplatte ist dann hops gegangen. Schicksal? - Vielleicht habe ich zuviel Angst vorm Scheitern, um es ernsthaft anzugehen.

5.)
Da mir Musik sehr viel bedeutet, bedaure ich es tief, dass ich kein Instrument spiele und habe die Vorstellung, eines Tages, irgendwann, doch noch Klavier spielen zu lernen.

Und nun? Jetzt wirft man dieses Stock-Ding weiter, oder wie? Ok, von Petros, Gedanquill, Marianne, Dirk, Uwe und der Nomadin wüsste ich gerne mehr. Ob und wie die das in ihren z.T. rein lyrischen Blogs anstellen, bin ich mal gespannt.

2006-11-21

...und 'n Buch!

Von einem Buch muss ich auch schwärmen.
(Ich klaue mir nämlich wieder Zeit zu lesen, jawoll.)

Ein wortkarger Ire, der seine Gefühle in der stimmungsreichen Landschaft ausgedrückt findet und in den Geschehen um ihn herum, die genug aussagen. Er ist gefangen im spanischen Bürgerkrieg, in den er freiwillig gezogen ist, weil sein Vater die Frau geheiratet hat, die auch er liebt. Hier, angesichts der drohenden Erschießung, blickt er zurück, erinnert sich: Wie ihn das schweigsame Ritual des gemeinsamen Fischens mit dem Vater verbunden hat, oder ob er sich das womöglich nur eingebildet hat. Wie er als Kind den Tod der Mutter erlebt hat. Wie die lebendige Rose mit dem Klavierspiel Lebenslust und Liebeslust in das von Trauer fast erstickte Haus brachte. Wie das Nichtreden immer schon das bestimmende Element zwischen Vater und Sohn war. Und wie er eine Wiederbegegnung angehen würde, wenn es denn eine gäbe. - Was noch alles geschieht, und das ist eine Menge, verkneife ich mir, nur so viel: Ein Roman wie im echten Leben, mit Verrat und Hoffnung auf Versöhnung und stetiger Ungewissheit.

"Nocturno" von Neil Jordan.
Ich hatte es bislang nicht gewußt, aber:
Der Mann kann auch schreiben!

2006-09-27

áki


Blätter im Herbstwind
steigen, fallen beschrieben
zurück zur Erde
Ralf Herwig

2006-09-22

Kunst muss weh tun...


...Das unterscheidet sie von Dekor. Kunst ist, wenn es mich packt. So habe ich das jedenfalls immer empfunden. Schon als ich als Jugendliche auf Klassenfahrt nach München in der Alten Pinakothek wie hypnotisiert vor Franz von Stucks Sünde stehenblieb. Das war so abgründig, das hatte Seele. Diese Frau! Diese Schlange! Dieses Haar! Diese Haut! Dieser Blick! Dieses Schwarz! Dieser üppge Goldrahmen! Muss ich anfassen! Darfst Du nicht, Idiotin, bist im Museum! Egal, ich muss! Wenn nicht die bleiche Haut der Frau, dann wenigstens den Rahmen. - Natürlich ging die Alarmanlage los, is klar. Aber ich hatte sie berührt. Das war das mindeste, schliesslich hatte sie mir bis in die Seele geblickt. Inzwischen bin ich bei der Kunstbetrachtung etwas disziplinierter. Aber der Impuls, es anzufassen, ist ganz oft noch da. Auch Musik fährt manchmal so in mich hinein. Nicht, weil der Beat hübsch beschwingt ist, nee, so simpel nicht. Wenn da Spannung ist, Leidenschaft. Das Erhabene! Oder Schmerz und Erlösungssehnsucht, wie sie in Musik Ausdruck ohnegleichen finden kann. Ja, und Bücher, Bücher sowieso, immer schon. Sprache krabbelt in meinen Kopf. Geistesnahrung. Sprache beruhigt. Oder ist Ventil. Spricht mir aus der Seele. Buchstaben sind eine Erfindung, für die ich wirklich dankbar bin. Rilke, Nietzsche, Handke, Bukowski - wie einsam würd ich mich fühlen, hätte ich Euch nicht irgendwann entdeckt.
Drum soll das hier auch stattfinden dürfen: Was ich lese, was ich höre, was ich schaue, was ich aufschnappe. Natürlich nur, wenns auch bewegt. - Ehrensache, jeden Scheiß tu ich Euch nicht an! Im Gegenzug bin ich dankbar für Input von Mitlesern. Aber bitte auch handverlesen.

2006-08-29

Fragen

“...und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten,
Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen
und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zuhaben
wie verschlossene Stuben und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,
die Ihnen nicht gegeben werden können,
weil Sie sie nicht leben könnten.
Und es handelt sich darum, alles zu leben.
Leben Sie jetzt die Fragen.
Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.”

Rainer Maria Rilke
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Hat mir eine wunderbare Frau geschenkt.
Kann man Geduld also erlernen?

2006-08-28

Schrödingers Katze






"In Wirklichkeit schläfst Du.
Du träumst nur,
dass Du wach bist."

Ein Zitat von Robert Anton Wilson,
das meine Wahrnehmung recht treffend beschreibt.

Gerade etwa ignoriere ich wieder mit surrealer Hartnäckigkeit
meine Verpflichtungen in der vorgeblich "wachen Welt".

Na denn, guten Morgen!